Nowosibirsk - Irkutsk
09/06/2005
11.583 km vom Startpunkt
Als wir Nowosibirsk erreichen, werden wir sofort von einem jungen Paar aufgelesen: Olga und Maksim, die, nachdem wir den Abend zusammen verbrachten haben, darauf pochen, dass wir bei ihnen übernachten. Sie versichern uns, dass sie zwei Wohnungen hätten und wir deshalb nicht störten, also stimmen wir zu. Als wir das Mini-Apartment erreichen (die Normgröße nach den bescheidenen russischen Standards), wird uns bewusst, dass es sich um die Wohnung handelt, in der die beiden leben, und dass sie selbst bei den Eltern übernachten, um uns ihre Wohnung zu überlassen. Unglaublich! Wie viele von uns hätten so etwas getan? Am darauf folgenden Morgen ziehen wir es deshalb vor, ins Hotel zu gehen und sie nicht weiter zu belästigen: wir planen nämlich, einige Tage in Nowosibirsk zu verbringen. Doch nie hätten wir gedacht, dass wir uns so lange hier aufhalten würden, und eine Wohnung mieten müssten!
Das neue, in Astana erhaltene russische Visum gilt nur für 14 Tage, das heißt, dass wir es, einmal in Russland angekommen, verlängern müssen; doch schon bald schlagen wir uns mit der russischen und italienischen Bürokratie herum. Wir haben Nowosibirsk für den Vorgang ausgesucht, um auf die Unterstützung des italienischen Honorarkonsulats zurückgreifen zu können, dessen vollständige Adresse auf der Internetseite des Außenministeriums angegeben ist. Jetzt stellt euch unsere Überraschung vor als wir erfahren, dass es nie ein italienisches Konsulat in der Stadt gegeben hat!
Also gehen wir zum MVD, dem Innenministerium, wo Inspektor Mironenko (der schon am zweiten Tag für uns einfach Aleksey ist) einen Brief vom italienischen Konsulat in Moskau verlangt, und einen weiteren, von uns in Englisch verfasst, der den Antrag auf Verlängerung erklären soll, und den wir vom British Council ins Russische übersetzen lassen. Den Brief vom Konsulat via Fax zu erhalten dauert vier Tage, wohingegen die langen Wartezeiten in Astana für ein und denselben Vorgang ein Beispiel der mustergültigen Effizienz der italienischen Vertretungen im Ausland sind. Dann kehren wir zum Ministerium zurück, wo sie uns mitteilen, dass man vielleicht etwas machen könnte, wir aber einige Tage warten müssten.
In der Zwischenzeit lernen wir beim Herumschlendern in Nowosibirsk neue Freunde und interessante Orte kennen… angefangen von den Punks im Park, in dem wir unsere freien Nachmittage verbringen, über eine preiswerte Kantine bis zu einem Café, in dem es einen passablen Espresso gibt. Wir lernen schließlich zwei junge Deutsche kennen, von denen eine, Susanne, eine Diplomatin, uns das Innere des Konsulats zeigt (schön, riesig und sehr deutsch) und uns sagt, sie hätte Kontakte im Ministerium. Falls wir es nicht schafften, würde sie uns helfen. Wir gehen einige Male zusammen in das Café eines Amerikaners zum Mittagessen, der, als er unsere Geschichte mit dem Cinquino hört, sagt, dass in Amerika FIAT „Fix It Again, Tony!“ (Reparier es noch einmal, Tony!) bedeute –, was uns zum Lachen bringt während wir gleichzeitig auf Holz klopfen.
Dann gehen wir zum ICE, dem Italienischen Institut für Außenhandel (die haben ein Büro hier) und plaudern ein wenig mit einer Russin, die dort arbeitet und uns einige Neuigkeiten aus Italien erzählt. Die Menschen sind wirklich herzlich und wenn sie erst den Cinquino sehen! Ansonsten gibt es hier nicht viel zu besichtigen, abgesehen davon, dass es im Zoo anscheinend das weltweit einzige Exemplar eines Ligers gibt, einer Kreuzung zwischen einem Löwen und einem Tiger…
Inzwischen ist unser Visum am 29. Mai um Mitternacht verfallen, ohne dass wir irgendeine Nachricht von der Botschaft oder vom Ministerium erhalten haben, noch wissen, was passiert, wenn uns die Polizei aufhalten sollte, wie bereits mehrmals geschehen. Um es kurz zu machen: Nach zwölf Tagen in Nowosibirsk haben wir es endlich geschafft, die ersehnte Verlängerung zu erhalten. Wir verlassen die „Hauptstadt Sibiriens“ und unser Loft im Zentrum, um unseren Cinquino wieder in Gang zu setzen, diesmal in Richtung Irkutsk, 1.800 Kilometer entfernt.
Auf dem Weg nach Irkutsk
Wir halten in Kemerovo , nur um die Nacht dort zu verbringen und wollen am nächsten Abend Krasnoyarsk erreichen. Auf dem Weg zwischen den beiden Städten erleben wir die absurdeste Begegnung der gesamten Reise bisher! Auf der Straße kommt uns ein Itala aus dem Jahr 1907 entgegen, original erhalten und mit zwei Typen an Bord, die von Kopf bis Fuß in originalgetreuer Kleidung stecken, inklusive großer Rennfahrerbrillen! Es handelt sich um zwei Australier, die die legendäre Strecke des Rennens Peking-Paris von 1907 abfahren, das damals der italienische Prinz Borghese gewann. Wenn ihr mehr über diese Rallye von 1907 wissen wollt, so findet ihr auf dieser Seite einige Informationen darüber und auf dieser Seite findet ihr einen Film über den Start der Australier.
Sie bringen uns zu ihrem Lager wo auch die Oldtimer der anderen Teilnehmer sind. Sie empfangen uns sehr herzlich und sogar erstaunt, als sie hören, dass wir alleine und ohne Unterstützung reisen. Sie waren am 15. Mai in Peking gestartet, hatten die gesamte Mongolei durchquert, waren nach Russland gekommen und berichten, dass wir die ersten Reisenden mit eigenem Fahrzeug sind, die sie auf ihrem Weg getroffen haben… und was für ein Fahrzeug! Der Fiat 500 steht im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit und ihrer Fotoapparate, sie interviewen uns und entkorken eine Flasche Champagner, um auf unsere Begegnung anzustoßen.
Mikhail und Maksim
Wir verabschieden uns mit der typischen Herzlichkeit der Reisenden und fahren weiter nach Krasnojarsk. Wir kommen am Abend hier an und der Cinquino, vielleicht benebelt von den vielen Komplimenten, stoppt und will partout nicht mehr anspringen. Doch der großmütige Geist der Russen sorgt dafür, dass zwei sympathische junge Russen, Mikhail und Maksim, uns zu Hilfe kommen und uns bis zum Parkplatz in der Nähe eines Hotels abschleppen. Zwangspause in Krasnojarsk –, aber im Grunde genommen ist sie uns willkommen, da genau am darauf folgenden Tag das Jubiläum der Stadtgründung mit einem Umzug in historischen Kleidern gefeiert wird. Wir ersetzen die Zündkerzen und den Zündverteiler, putzen den Vergaser, reparieren ein Loch und der Cinquino trabt wieder los! Maksim und Mikhail begleiten uns zur Stadt hinaus bis zum Beginn der M53 nach Irkutsk und vor der Verabschiedung schießen wir noch ein gemeinsames Foto.
Bis Irkutsk, wo wir uns jetzt befinden, machen wir Halt in Kansk und Tulun, zwei kleinen sibirischen Städtchen mit typischer Holzarchitektur. Die Straße ist über sehr lange Abschnitte schrecklich, ohne Asphalt und mit Dauerregen. Wir fahren teilweise zwanzig Stundenkilometer und haben ein derartig großes Leck in der Karosserie, dass wir das Wasser mit Plastikbechern ausschöpfen müssen.
Jetzt genießen wir die verdiente Ruhepause in Irkutsk, einer schönen Stadt am Fluss Angara, nahe dem majestätischen Baikalsee (dem tiefsten See der Erde) und reich an schönen Palästen aus der Jahrhundertwende, antiker Pracht des unternehmungslustigen Bürgertums, das die Stadt groß gemacht hat bevor die Oktoberrevolution kam.























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