Astana - Nowosibirsk

22/05/2005

9.197 km ab dem Startpunkt

Seit der letzten Aktualisierung haben sich einige Dinge geändert… Wir sind wieder in Russland. Der Programmwechsel war radikal. Nachdem wir mit beträchtlicher Verspätung hinsichtlich des ursprünglichen Programms losgefahren sind, ist das Visum für Kirgistan verfallen, bevor wir uns auf den Weg machen können. Somit ist es uns nicht mehr möglich, unseren chinesischen Kontaktmann am Irkestam Pass zwischen Kirgistan und China zu treffen. Hinzu kommt eine Revolte in Usbekistan, und es wurde uns gesagt, dass die Grenzen zu den Anrainerländern auf unbestimmte Zeit gesperrt sind. Samarkand, Buchara, Chiva… werden leider warten müssen. Cinquino ist der einzige, der sich freuen kann, da er mit seinem luftgekühlten Motor das frische Klima so sehr liebt.

Auf der Suche nach einem Visum entlang der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn

Wir benötigen ein neues russisches Visum, um Chabarowsk zu erreichen, von wo aus wir versuchen wollen, auch ein neues chinesisches Visum im Konsulat zu erhalten, und hoffen, irgendwo in China einreisen zu können, um das Ziel unserer Reise zu erreichen.

Es ist ein wahrlich schwieriges Unterfangen, über mehr als 6.000 Kilometer neben den Schienen der legendären Transsibirischen Eisenbahn zu fahren, jener Bahn, die die Eroberung des äußersten russischen Orients ab dem Ende des 19. Jahrhunderts prägte und noch heute die längste Bahnstrecke der Welt ist. Bis zum letzten Sommer war die Transsibirische Eisenbahn sogar die einzige Landverbindung zwischen Moskau und Wladiwostok, aber wir erinnern uns beide an einen Artikel in der Wochenzeitschrift „Internazionale“ über die großen Bauarbeiten zwischen einigen sibirischen Städten: eine Baustelle von etwa 1.500 Kilometern Länge, eine „Straße der Pioniere“ für Ketten- und Baufahrzeuge; ein enormes Werk, dessen Fertigstellung vielleicht mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen wird. Keiner von uns zwei hatte bisher den Mut, dem Cinquino anzudeuten, dass ihm einige Tage Schotterstraße bevorstehen.

Der Antrag auf ein russisches Visum wird uns prompt vom Konsul in Astana verweigert, doch wir lassen nicht locker und bitten die italienische Botschaft um Unterstützung. Dort fühlen wir uns sofort wie zuhause, dank der strahlenden Gesichter, der Neugier auf unser Unterfangen und der sechs Stunden Wartezeit, nach der wir schließlich mit einem kleinen Bewerbungsschreiben für die russische Botschaft entlassen werden. Das Briefchen hat nicht den erwünschten Effekt, aber durch eine Mischung aus freundlichem Lächeln und Hartnäckigkeit unsererseits können wir die russische Belegschaft für uns gewinnen, die sich übrigens, wenn auch behindert durch die Hürden der Bürokratie, als freundlich, effizient und verständnisvoll erweist: sie erlauben uns, die Unterlagen nach Geschäftsschluss abzugeben und am folgenden Tag, einem Samstag, ist unser Visum um neun Uhr morgens zur Abholung bereit.

Einziger Wehmutstropfen: einer von uns (wir verraten nicht wer) zertrümmert mit seiner üblichen Anmut eine mächtige Tonvase am Eingang der russischen Botschaft und erntet dafür – anstelle einer Rechnung für den Schaden – einen unglaublich verständnisvollen Blick.

In der kasachischen Steppe

Wir fahren umgehend weiter, durchqueren die menschenleere kasachische Steppe und erreichen am Abend Pawlodar, das sich im Norden des Landes befindet und fast gänzlich von Russen bewohnt wird. Wir sind noch gar nicht richtig in der Stadt, da werden wir von Andreji und Mikhail angehalten, respektive Designer und mechanischer Ingenieur, zudem Fans sportlicher Autos und Produzenten einer Motorsport-Sendung im kasachischen Fernsehen. Seitdem wir in Russland sind, haben wir stets Begeisterung und Gastfreundschaft erfahren, doch das mit Andreji und Mikhail ist wahre Freundschaft. Wir verbringen den Abend zusammen und auch den gesamten darauf folgenden Tag, geben ein nettes Interview für ihr Programm, mit Marina, der hübschen Frau von Andreji, die als Übersetzerin ins Englische fungiert. Am Abend gehen wir zu fünft in ein typisches russisches Restaurant zum Essen, wo wir es nur mit enormer Überzeugungskraft schaffen, die unbändige Großzügigkeit der Jungs zu bremsen und die Rechnung schließlich teilen.

An der russisch-kasachischen, von bösartigen Mücken heimgesuchten, Grenze nochmals eine nervenaufreibende Wartezeit von acht Stunden, aber dieses Mal glücklicherweise ohne Geldforderungen. Am späten Abend erreichen wir Omsk, die vielleicht angenehmste der bisher besichtigten Städte, mit einem schönen Zentrum mit Gebäuden aus der Jahrhundertwende und einem überfüllten Strand am Fluss Irtysch. Und schließlich bricht zu unserer großen Überraschung auch in Sibirien die große Hitzewelle aus, mit maximalen Temperaturen zwischen 24 und 25 Grad und strahlendem Sonnenschein.

Alle Wege führen nach Nowosibirsk

Nachdem wir den Weg nach Nowosibirsk eingeschlagen haben, von wo wir jetzt schreiben, fuhren wir etwa einige Hundert Kilometer bei gutem Tempo auf dem passablen Asphalt der M51 bis… er gänzlich verschwand. Wir fahren weiter auf einer Schotterstraße, die zum Teil akzeptabel ist und zum Teil Offroad-Charakter hat, und fragen uns, wie lange das dauern wird. Nach fast neun zermürbenden Stunden Staub, Steinen, fürchterlichen Gräben, schlechter Versorgung und beinahe nicht vorhandenem Verkehr, überholt uns etwa dreißig Kilometer vor dem Dorf, das wir uns für die Übernachtung ausgesucht haben, ein kleiner Lieferwagen mit Fahrgästen, die wie wild aus den Fenstern gestikulieren. Als wir anhalten, fragen sie uns, wohin wir fahren und als wir antworten, nach Nowosibirsk, brechen sie in schallendes Gelächter aus und teilen uns mit, dass wir die alte, stillgelegte Straße entlangfahren und die neue M51 wenige Kilometer südlich verläuft! Dann geleiten sie uns zum einzigen Hotel des Dorfes und erklären uns den Weg, um am folgenden Tag die richtige Straße zu erreichen.

Die Moral von der Geschicht: 200 Kilometer Schotterstraße umsonst, Cinquino bleibt zweimal aufgrund des verstopften Luftfilters stehen, und die dringliche Notwendigkeit, eine aktuelle Straßenkarte zu kaufen. Endlich in Nowosibirsk, Hauptstadt Sibiriens und drittgrößte Stadt Russlands mit ihren zwei Millionen Einwohnern. Auch hier Hitze und wunderschönes Wetter… bis vor wenigen Stunden, als die Temperatur von 25 auf 6 Grad sank und wir erneut unsere dicken Klamotten aus dem Rucksack zogen.

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