In Peking

18/07/2005

Peking!
Es ist schwer, das Gefühl zu beschreiben, das wir empfinden, als wir mit dem Cinquino im Schatten der Chinesischen Mauer entlangfahren. Bereits in Wladiwostok war uns klar, dass das Ziel wirklich zum Greifen nahe war, aber tatsächlich angekommen zu sein, das ist ein anderes Paar Schuhe! Wie beim letzten Update erzählt, schlossen wir den Cinquino in Wladiwostok in einen Container und verschifften ihn nach China. Die Überfahrt dauerte zehn Tage, sodass wir genug Zeit hatten, um ihn in aller Ruhe im Hafen von Tianjin wieder in Empfang zu nehmen. Und jetzt also Peking! Die Hitze ist drückend und es reicht nicht aus, alle Fenster nach unten zu kurbeln und die Ausstellfenster nach außen zu drehen: Man muss schwitzen! Bei unserer Ankunft werden wir von den Fiat-Managern von China mit offenen Armen empfangen, wie wahre Helden, auch wenn wir im Grunde nichts wirklich Heldenhaftes vollbracht haben. Der Cinquino wird von Pekings großer Fiat-Werkstatt für eine schnelle Inspektion in Empfang genommen, während im zwanzigsten Stock des Beijing Silver Tower, in den Büros von Fiat China, das Programm mit den für unsere Ankunft geplanten Events fertig gestellt wird. Auf jeden Fall haben wir noch einige Tage zur Verfügung, um in Peking herumzuschlendern wie echte Touristen.

Die Stadt ist erschreckend: Hier leben etwa 14 Millionen Einwohner auf einer Oberfläche, die etwa die Größe ganz Belgiens hat. Nichtsdestotrotz ist der Grundriss extrem gleichmäßig und besteht aus konzentrischen Vierecken, die sich rund um die Verbotene Stadt ausbreiten. Heute gibt es sechs Autobahnringe, wobei der sechste, äußerste, so überdimensional groß ist, dass der Grande Raccordo Anulare, der Große Ring um Rom, dagegen erblasst. In den letzten zehn Jahren erfuhr Peking eine schwindelerregende Entwicklung, die kein Ende zu nehmen scheint. Das Stadtprofil ist heute geprägt von Hunderten gläserner Wolkenkratzer und fast genauso vielen mit Kränen umgebenen Rohbauten, die noch in Bau sind. In diesen Tagen schaffen wir es nicht einziges Mal, die Sonne zu sehen: eine dicke Dunstglocke umschließt die Riesenmetropole mit einem feucht-heißen Griff.

Am Dienstag organisieren die Manager von Fiat China eine Stunde Online-Chat mit unseren Fans auf Sina.com, dem wichtigsten chinesischen Portal, und noch bevor der Chat beendet ist, kommen einige von ihnen sogar vorbei, um uns Geschenke zu bringen und nach Autogrammen zu fragen! Am Mittwoch besichtigen wir dann einen Ort außerhalb der Stadt, in dem das kaiserliche China in Originalgröße wiedergegeben ist, das hier ein 5-Sterne-Hotel beherbergt. Das Lustige ist, dass in diesen Tagen die gesamte Fußballmannschaft von Real Madrid im Hotel übernachtet, da sie am Samstag in einem Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft aus China antritt, und vor der Lobby stehen Scharen von Fans, die auf Ronaldo und Beckham warten. Als wir mit unserer Truppe von Fernsehkameras und Fotografen daherkommen, gibt es ein großes Durcheinander: Viele fragen sich, wer zum Teufel wir sind, vielleicht irgendwelche Auswechselspieler, andere wiederum ziehen es im Zweifelsfall vor uns zu fotografieren! Am Donnerstagabend schließlich gibt es das prächtige Galadinner mit den chinesischen und italienischen Journalisten in einem wunderschönen traditionellen Restaurant mit effektvollem Auftritt an Bord des Cinquino und einem Bad im Blitzlichtgewitter. Kurz und gut, wir sind am Ziel! Selbst wir glaubten bis zum Schluss nicht daran. Wir haben uns tatsächlich einen großen Wunsch erfüllt, den wir seit Jahren hegten und ihn bestmöglich umgesetzt.

Wir denken wirklich nicht, etwas Besonderes geleistet zu haben, nichts, das nicht jeder andere auch hätte machen können: Das echte Wunder hat er vollbracht, unser kleiner Fiat 500, der, ein bisschen geschwächt, unsere Hinterteile über zwei Kontinente spazierenfuhr!

Dass wir es geschafft haben, verdanken wir auch den vielen Menschen, die uns materiell und moralisch unterstützten. Einigen haben wir bereits auf den Seiten dieses Tagebuches gedankt, jetzt und hier aber möchten wir danken: Nicola und Giuseppe für den Optimismus, den sie uns einflößten; Nicola und Gaetano, die uns beibrachten, den Motor des Cinquino zu reparieren; Leonardo dafür, dass wir uns hier in Peking wie zuhause gefühlt haben; Fabrizio, für den Enthusiasmus bei der Pflege dieser schönen Internetseite; ganz abgesehen davon Pierpaolo und Giusy; Dario dafür, unser besessenster Fan gewesen zu sein; unseren Eltern dafür, dass sie uns nur manchmal gefragt haben: "Esst ihr auch was?", und vor allem unseren Freundinnen, Rosanna und Zivile, für ihr dreimonatiges geduldiges Warten bis zu unserer Rückkehr.

web design by Gazoweb