Chabarowsk - Wladiwostok

14/07/2005

15.380 km ab dem Startpunkt

Wladiwostok! Unglaublich, dass wir es geschafft haben! Als wir die monumentale Schrift sehen, die die Einfahrt in die Stadt markiert, erscheint es uns nicht wahr. Wir haben den Cinquino von den Küsten des Mittelmeeres bis zum Japanischen Meer gebracht, oder besser: er uns! Wir durchquerten Europa, ganz Russland und fuhren die längste Route auf Erden in Längsrichtung ab. Wir durchfuhren neun Zeitzonen und begegneten den ethnischen Minderheiten, die das Mosaik des russischen Volkes zusammensetzen. Vor uns nur noch Japan.

Als wir das chinesische Visum im Konsulat von Chabarowsk in den Händen halten und die Bestätigung bekommen, dass es eine Fähre gibt, auf der wir den Cinquino nach China schicken können, fahren wir sofort los, um die letzten 750 Kilometer auf russischen Territorium zu fahren. Die Straßen sind gut und in nur zwei Tagen kommen wir an. Das einzige Problem, das auftaucht, ist, dass zwei Stützen des Dachgepäckträgers nachgeben, die wir in einer Werkstatt neben dem Motel, in dem wir übernachten, reparieren lassen. Auf den Gruß „Italien und Russland Freunde“ wollen sie kein Geld für ihre Arbeit annehmen!

Je mehr wir uns Wladiwostok nähern, desto deutlicher nimmt der Verkehr zu: Hier findet man weit und breit kein russisches oder europäisches Auto, sondern nur unzählige Geländewagen mit dem Lenkrad auf der rechten Seite; alle aus Japan importiert, das nur einen Steinwurf entfernt ist. Wladiwostok war in der Vergangenheit eine der geheimnisvollsten Städte der gesamten Sowjetunion; es war die Basis der Pazifikflotte und nicht nur für Ausländer gesperrt, sondern auch für einen Großteil der Russen. Sogar die Transsibirische Eisenbahn wurde ins etwa hundert Kilometer entfernte Nachodka umgeleitet. Heute profitiert Wladiwostok von seiner geografischen Lage, dem Orient und den großen Märkten Japans, Südkoreas und Chinas. Es ist eine gänzlich andere Stadt als alle, die wir bisher gesehen haben: chaotisch, voller Verkehr und mit Sicherheit reicher, auch wenn der Reichtum, wie immer hier, schlecht verteilt ist. Bis vor wenigen Jahren, nach dem Fall der UdSSR, sagt man uns, war sie die gewalttätigste Stadt in ganz Russland. Die Entfernung zu Moskau und das enorme Handelsaufkommen hier, hatten einen wahren Krieg zwischen den mächtigsten Clans ausgelöst. Heute herrscht relativer Frieden, seitdem Gouverneur Darkin an die Macht kam, eine sehr umstrittene Persönlichkeit mit riesigen Reichtümern obskurer Herkunft. Das Verschwinden all seiner politischen Gegner schien ihm die Eroberung des Gouverneurspostens sehr erleichtert zu haben.

Unser Aufenthalt hier wird dank einiger Italiener, die seit Jahren hier leben, ein ganz besonderer. Einer von ihnen, Mario, betreibt ein ausgezeichnetes italienisches Restaurant und erschafft, zusammen mit dem Koch Matteo und dem Pizzabäcker Tommaso, ein Stück Italien hier im Orient. Die Wärme und Gastfreundschaft, die sie uns entgegenbringen, werden uns in wunderschöner Erinnerung bleiben. Das ist unser letzter Abend in der Stadt und wir werden ihn in Gesellschaft dieser neuen Freunde vor einem ausgezeichneten Jägersteak verbringen. Morgen werden wir den Cinquino in China abholen und dann gehts nach Peking.

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