die Route

09/04/2005

Danilo und Fabrizio fuhren im April 2005 los, einige Tage später als ursprünglich vorgesehen. Sie hatten geplant, in etwa zwei Monaten Peking zu erreichen, auf einer Route von 14.000 Kilometern, die zum Großteil über die Seidenstraße führen sollte. Sie konnten ja nicht ahnen, dass sie sämtliche Programme komplett umwälzen, ihre Reiseroute um zweitausend Kilometer verlängern mussten sowie mehr als drei Monate benötigen würden, um ihr Ziel, den verschiedensten Widrigkeiten zum Trotz, zu erreichen.

Von Bari aus fuhren sie nach Turin, wo sie der Sponsor der Unternehmung erwartete, und von dort gleich weiter nach Slowenien. Sie durchquerten Osteuropa, Ungarn und die Ukraine bis zur Grenze nach Russland.
In Russland fuhren sie vorbei an Wolgograd, wo sie bereits ihren ersten Programmwechsel durchführen mussten, der sie nach Norden in Richtung Saratow, Samara und Ufa führte anstatt wie geplant nach Astrachan. Die Einfuhr nach Kasachstan erfolgte verspätet: hinter Tscheljabinsk überquerten sie die Grenze zum großen Land Zentralasiens in Richtung Petropawlowsk und dann zur jungen Hauptstadt Astana. Und dort geschah es: die bereits angehäufte Verspätung, ein verfallenes Visum und eine Revolte in Usbekistan zwangen Danilo und Fabrizio, alles auf eine Karte zu setzen und nach Russland zurück zu kehren, eine vollständig neue und nicht geplante Route einzuschlagen – ohne Visum und Genehmigungen –, die Seidenstraße zu verlassen und der Trasse der Transsibirischen Eisenbahn zu folgen.

Langsam brachten sie Tag für Tag einen Kilometer nach dem anderen hinter sich, ohne konkrete Gewissheit, ob sie das östliche Ende Russlands erreichen und ein neues Visum für China erhalten würden. Sie durchquerten den immensen sibirischen Kontinent, vorbei an Omsk, Nowosibirsk, Krasnojarsk, Irkutsk und Tschita. Dort erwartete sie der schlimmste Teil der Reise: die 1.400 Kilometer lange, schreckliche Schotterstraße nach Chabarowsk, die einzige und obligatorische Etappe auf dem Weg nach Peking. Der Cinquino wurde in die Mangel genommen und trug mehrere Schäden davon, doch trotzdem schaffte er das Unmögliche und erreichte die Hauptstadt des östlichsten Teils Russlands. Doch vorerst blieb alles unsicher und von einer Einreise nach China mit dem Auto konnte nicht die Rede sein, nachdem die chinesischen Behörden mitgeteilt hatten, dass sie die Genehmigung dazu auf gar keinen Fall erteilen würden. So beschlossen Danilo und Fabrizio, die Route zu verlängern und bis zur Küste des Japanischen Meeres, nach Wladiwostok, vorzudringen – der östlichen Endstation der Transsibirischen Eisenbahn. An diesem Punkt angelangt, hatten sie keine andere Wahl, als das Auto auf ein Cargo-Schiff zu laden und in China am Hafen wieder abzuholen, um so das Einreiseverbot per Auto zu umgehen.

Nach hundert Reisetagen, 16.000 Kilometern und einer Fahrt über zwei Kontinente brachten Danilo und Fabrizio am 21. Juli 2005 den ersten Fiat 500 von Italien bis an den Fuß der Chinesischen Mauer.

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